Für Schulleiterinnen und Schulleiter
KI-Konzepte
Eine Schule, die KI dauerhaft einsetzen will, braucht mehr als einzelne Tools. Das „Haus der KI“ ordnet die Bausteine zu vier Schichten – Technik, Recht, Anwendung und Haltung –, von denen jede die nächste trägt. Ein Modell, das jede Schule an ihre eigenen Voraussetzungen anpassen kann.
Vier Schichten, ein Konzept
Ein Haus trägt nur, wenn jede Schicht auf der darunterliegenden ruht. Erst die Technik, dann die rechtliche Absicherung, darauf die konkrete Anwendung – und über allem eine gemeinsame Haltung. Wer eine Schicht überspringt, baut auf wackligem Grund.
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Schicht 1 · Fundament
Hardware & Software
Ganz unten steht die Technik. Wer KI-Modelle selbst betreibt, statt sie aus der Cloud zu mieten, behält die Kontrolle über die Daten – sie verlassen die Schule nicht.6 Wie groß diese Basis ausfällt, ist vor allem eine Budgetfrage: Sie reicht vom einzelnen Rechner mit guter Grafikkarte bis zum kleinen Rechenzentrum.
Hardware
- Eigene Serverinfrastruktur bzw. ein KI-Server oder -Cluster, der die Modelle lokal ausführt.
- Grafikkarten (GPUs) liefern die Rechenleistung – eine Consumer-GPU genügt zum Start, Rechenzentrums-GPUs sind schneller.
- Kleine Edge-Geräte (z. B. Einplatinen-KI-Boards) für Experimente und Unterrichtsprojekte.
- Energiebedarf und Nachhaltigkeit mitdenken – etwa eigener Solarstrom; dabei den Rebound-Effekt im Blick behalten.
Software
- Open-Source-Stack statt Lizenzkosten und Anbieterbindung.
- Virtualisierung & Container für einen sicheren Betrieb (z. B. Proxmox, Docker, Portainer).
- Lokale Modell-Laufzeiten und Bedienoberflächen (z. B. Ollama, OpenWebUI) sowie Automatisierung (z. B. n8n).
- Offene Sprachmodelle, die lokal laufen (z. B. Gemma, Llama, Mistral, gpt-oss).
Für Ihre Schule: Kein eigenes Rechenzentrum nötig: Schon ein einzelner Rechner mit aktueller GPU – oder eine in Deutschland gehostete, DSGVO-konforme Lösung – genügt für den Einstieg. Entscheidend ist, dass die Daten unter Kontrolle der Schule bleiben.
Schicht 2 · Recht & Verantwortung
DSGVO & EU AI Act
Über der Technik liegt der rechtliche Rahmen. KI an der Schule muss von Anfang an datenschutzkonform sein und der europäischen KI-Verordnung (EU AI Act) entsprechen.1, 2 Die DSGVO bleibt die Grundlage; der AI Act kommt hinzu und stuft jedes System nach seinem Risiko ein.
DSGVO
- Datenschutzkonformer Einsatz: möglichst keine personenbezogenen Daten in Cloud-Tools ohne Rechtsgrundlage.
- Lokale Modelle bevorzugen – die verarbeiteten Daten verlassen die Schule nicht.
- Auftragsverarbeitung (AVV) und – wo nötig – eine Datenschutz-Folgenabschätzung klären; Datenschutzbeauftragte früh einbinden.
EU AI Act
- KI-Verordnung-konformer Einsatz statt rechtlicher Grauzone.
- Jedes System nach Risiko einstufen: verboten · hochriskant · begrenzt · minimal. Hochriskant ist z. B. Software, die Leistungen bewertet.1
- Schulungs- bzw. KI-Kompetenzpflicht: Lehrkräfte und Lernende müssen kompetent mit KI umgehen können (seit Februar 2025).1
Für Ihre Schule: Jede Schule braucht klare, schriftliche Nutzungsregeln und benannte Verantwortliche. Orientierung geben die Datenschutzaufsicht des eigenen Bundeslandes sowie die Handlungsempfehlungen der KMK.7
Schicht 3 · Säulen
Anwendung: Lernende · Lehrende · Verwaltung
Erst auf dem rechtssicheren Unterbau stehen die drei Säulen – sie zeigen, wer KI tatsächlich nutzt: Lernende, Lehrende und die Verwaltung. Jede Säule verbindet konkrete Werkzeuge mit den Kompetenzen, die ihr Einsatz verlangt.
Lernende
- Anwendungen: nur datenschutzgeprüfte Schul-Tools, z. B. AIS.chat oder fobizz.
- Medienbildung & KI-Kompetenzen: ein „KI-Führerschein“, KI-Projekte, KI-gestützte Berufsorientierung und Zusatzqualifikationen.
Lehrende
- Anwendungen: Schul-Tools wie AIS.chat oder fobizz, dazu allgemeine Assistenten (ChatGPT, Claude, NotebookLM) – ohne personenbezogene Daten.
- Fortbildung: ein gestuftes Konzept aus kurzen Mikro-Fortbildungen, kollegialen Lernwochen und einem pädagogischen Tag zur KI.3
- Kooperationen: eine schulinterne Arbeitsgruppe „KI & Schule“ und der Austausch mit anderen Schulen.
Verwaltung
- KI-Assistenten: ein schuleigener Chatbot für wiederkehrende Fragen und interne Recherche.
- KI-Agenten: Automatisierung von Routine- und Kommunikationsprozessen (z. B. Anfragen oder Verwaltungsabläufe).
Für Ihre Schule: Bauen Sie die Säulen schrittweise: Beginnen Sie mit einer Zielgruppe – oft den Lehrenden –, sammeln Sie Erfahrungen und übertragen Sie sie auf die anderen.
Schicht 4 · Dach
Haltung: Drei Perspektiven auf KI
Das Dach hält alles zusammen: die Haltung, mit der eine Schule auf KI blickt. Das Dagstuhl- und das Frankfurter Dreieck schlagen dafür drei gleichwertige Perspektiven vor.4, 5 Wer alle drei einnimmt, verengt KI weder auf Technik noch auf bloßes Bedienen.
Drei Perspektiven (Dagstuhl-/Frankfurter Dreieck)
- Technologische Perspektive – „Wie funktioniert das?“: verstehen, wie KI im Kern arbeitet.
- Gesellschaftlich-kulturelle Perspektive – „Wie wirkt das?“: einordnen, was KI mit Mensch, Gesellschaft und Kultur macht.
- Anwendungsorientierte Perspektive – „Wie nutze ich das?“: KI bewusst und überlegt für konkrete Aufgaben einsetzen.
Für Ihre Schule: Dieselben drei Perspektiven liegen einem schulinternen KI-Curriculum zugrunde – Dach und Kompetenzaufbau greifen also ineinander.
Was bedeutet das für Ihre Schule?
Vom Konzept zur Praxis: Bauen Sie Ihr Haus von unten nach oben – jede Schicht schafft die Grundlage für die nächste.
Fundament legen
Klären Sie, welche KI-Infrastruktur realistisch ist – von der gehosteten Lösung bis zum eigenen Server – und welche offenen Werkzeuge Sie einsetzen.
Recht & Verantwortung klären
Verankern Sie Datenschutz und EU-AI-Act-Konformität in schriftlichen Nutzungsregeln und benennen Sie Verantwortliche, bevor KI in die Fläche geht.
Säulen aufbauen
Starten Sie mit einer Zielgruppe, erproben Sie konkrete Anwendungen und bauen Sie parallel die nötigen Kompetenzen auf.
Haltung verankern
Machen Sie die drei Perspektiven zur gemeinsamen Leitlinie, damit KI ausgewogen statt einseitig behandelt wird – und überprüfen Sie das Haus regelmäßig.
Quellen
- 1.EUR-Lex – Verordnung (EU) 2024/1689 über künstliche Intelligenz (KI-Verordnung / EU AI Act, 2024)
- 2.Datenschutzkonferenz (DSK) – Orientierungshilfe Künstliche Intelligenz und Datenschutz (2024)
- 3.Forum Bildung Digitalisierung – KI-bezogene Schulleitungsfortbildungen in Deutschland (2026)
- 4.GI – Dagstuhl-Erklärung: Bildung in der digitalen vernetzten Welt (2016)
- 5.Frankfurt-Dreieck zur Bildung in der digital vernetzten Welt (2020)
- 6.BMDS / Fraunhofer FOKUS (ÖFIT) – Digitale Souveränität und große Sprachmodelle in der Bundesverwaltung (2025)
- 7.KMK – Handlungsempfehlung Künstliche Intelligenz (2024)